Erweckung als Erinnerungskultur
Das Thema "Lakeland-Erweckung" ist zwar schon längst wieder durch und weitgehend abgehakt, aber ich war ja einige Zeit abwesend, und konnte es deswegen leider nicht kommentieren.
Inzwischen haben das andere ohnehin schon viel treffender getan, z. B. die Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), die ich sehr schätze für ihre klugen und weitsichtigen (und manchmal auch sehr streitbaren) Einschätzungen und Erläuterungen zu allen Themen rund um Glaube und Religiosität in allen Formen und Varianten.
Deshalb greife ich hier mal auf Auszüge aus einer dieser klugen, treffenden und meine Ansicht weitgehend wiedergebende Bewertung zurück, die sich mit den Ereignissen rund um die so genannte "Lakeland-Erweckung" beschäftigt:
Inzwischen haben das andere ohnehin schon viel treffender getan, z. B. die Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), die ich sehr schätze für ihre klugen und weitsichtigen (und manchmal auch sehr streitbaren) Einschätzungen und Erläuterungen zu allen Themen rund um Glaube und Religiosität in allen Formen und Varianten.
Deshalb greife ich hier mal auf Auszüge aus einer dieser klugen, treffenden und meine Ansicht weitgehend wiedergebende Bewertung zurück, die sich mit den Ereignissen rund um die so genannte "Lakeland-Erweckung" beschäftigt:
Zum Ende der Lakeland Erweckung[Quelle]
Erweckungsankündigungen und -erwartungen sowie Berichte über das Ausbrechen international orientierter Erweckungen (revivals) gehören zu den charakteristischen Merkmalen pfingstlich-charismatischer Bewegungen. Sie sind Erinnerung an die Azusa-Street-Erweckung, mit der die Ausbreitungsgeschichte der Pfingstbewegung begann. Sie werden verstärkt ersehnt, wenn das pfingstliche Christentum seine enthusiastische Dynamik einbüßt und verliert. Die Erweckung in Lakeland (Florida) mit dem kanadischen Pfingstprediger Todd Bentley ist auf diesem Hintergrund zu sehen. Sie ist nicht Ausnahmeerscheinung, sondern charakteristische Ausdrucksform des pentekostal-charismatischen Christentums.
[...]
Durch GOD-TV, Internet und intensive Berichterstattung wurden die Wunder von Lakeland schnell bekannt und erreichten die weltweite pfingstlich-charismatische Community. Moderne Kommunikationsmedien schaffen universale Gleichzeitigkeit. Ein intensiver religiöser Tourismus begann. Mehr als 400000 Besucher sollen nach Lakeland gekommen sein.
[...]
Die Ereignisse in Lakeland verdeutlichen die nicht zu übersehende Orientierungsschwäche des gegenwärtigen pfingstlichen Christentums: Wunder und übernatürliche Geisterfahrungen werden kritiklos behauptet. Der distanzierte Betrachter kann den Videos keine Wunder entnehmen, wohl aber Sprachformen, die gegenüber Menschen, die Heilung suchen, respektlos und illusionär sind. Die eigene Geistergriffenheit lässt sich nur gegenüber Insidern vermitteln. Darüber hinaus ist sie nicht plausibel. Was sind die Kriterien, von denen ausgehend es gerechtfertigt ist, von einem Wunder oder gar von einer Erweckung zu reden?
Gottes Geist wirkt nicht so eingeschränkt, wie dies in der Erweckung von Lakeland vorausgesetzt wird. Die enge Verknüpfung und Identifikation des göttlichen Geistwirkens mit Zeichen und Wundern, mit Heilungen, übernatürlichen Führungen, Träumen und Visionen wird dem Zeugnis der Bibel und der christlichen Tradition nicht gerecht. Gottes Wirklichkeit ist nicht so himmelweit von unserer entfernt, dass wir ihn nur im Wunderhaften und Außergewöhnlichen finden könnten. Sie ist zugleich nicht so eng mit Wundererfahrungen verbunden, dass seine heilvolle Nähe darin eindeutig wäre.
Vor allem zwei Gedanken aus dem Artikel möchte ich kurz noch festhalten: Zum einen die Definition von pfingstlich-charismatischen Erweckungen als Teil einer Erinnerungskultur der Bewegung, sozusagen eine Tradition, die an die Azusa-Street-Erweckung erinnert. Zum anderen die erwähnte "Orientierungsschwäche" der pfingstlich-charismatischen Bewegung, die sicherlich im Auge des Betrachters liegt, die aber durchaus plausibel erscheint, wenn man Erweckungen eben als Erinnerungskultur der Bewegung versteht. Folgerichtig lässt sich eine solche "Erweckung", ebenso wie ihre Auswirkungen und Manifestationen, Christen außerhalb der Bewegung nicht wirklich vermitteln, und bleibt somit - wie vom Autor festgestellt - "Insidern" vorbehalten.
Die Frage, die sich dann allerdings anschließt, ist, was denn dann eigentlich eine - sozusagen "richtige" - Erweckung ist? Dazu wage ich keine Einschätzung abzugeben, weil ich denke - und das klingt auch im Text an -, dass es dafür keine Definition mit klaren Bewertungskriterien gibt und geben kann (wer das anders sieht, vermerkt Definition und Bewertungskriterien bitte in den Kommentaren). Außer Gottes natürlich.
(Wer die Ereignisse um Lakeland überhaupt nicht verfolgt hat, dem sei diese Zusammenfassung zur Lektüre empfohlen.)
Posted by francis
in Evangelikalismus, Spiritualität, Weltanschauungen -
Comments (5)
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Sunday, September 7. 2008 at 23:08 (Reply)
"Die enge Verknüpfung und Identifikation des göttlichen Geistwirkens mit Zeichen und Wundern, mit Heilungen, übernatürlichen Führungen, Träumen und Visionen wird dem Zeugnis der Bibel und der christlichen Tradition (!) nicht gerecht."
Der christlichen Tradition? Wie war denn nochmal das evangelische Prinzip? Sola Scriptura, allein die Schrift und keine Tradition! Tradition sagt nichts über geistliche Wahrheiten aus... Und auch die einseitige Beurteilung, dieser Umgang mit dem Heiligen Geist wäre nicht schriftgemäß finde ich äußerst Fragwürdig. Auf der einen Seite bin ich der überzeugung, das in Lakeland einiges Falsch lief. Wenn man ließt, das Bentley einige seiner 'Klienten' "im Namen des Vater und des Sohnes und Brumm" geheilt hat (bzw. haben will), dann grenzt das für mich (in wirklich BIBLISCHEN Sinne) eindeutig an Blasphemie. Der Heilige Geist ist eine Person (!) der Dreieinigkeit (!) also Gott (!) und er lässt nicht mit sich spielen.
Aber auf der anderen Seite werden wir sehen, was sich aus diesem Phänomen (denn das war es mit sicherheit) ergibt. Wenn sich dort in ein paar Jahrne eine Gemeinde gebildet hat mit einigen festen Gläubigen, dann werde ich als erstes ein Halelujah anstimmen. es würde mich trotzdem sehr wundern! Aber wir sollten nicht vorschnell etwas verdammen. Wie schnell wurde der Glaube an den Freien Willen (gemeinhin Arminianismus genannt) von den Protestanten verworfen und ist heute doch ein so großer Segen aufgund seines biblischen Fundaments, denn das Wort Gottes ist Hoffnung. Wir müssen imm treu auf die Früchte einer Lehre oder eines Phänomen sehen, und dann können wir etwas auch im biblischen Sinne beurteilen!
Was die richtlinien zu einer Erwackung angeht, so hat die pfingstkirchliche (!) Assemblies of God Association Richtlinien herausgegeben , eben weil sie oft gefragt wurden, was es mit der 'Erweckung' in Lakeland auf sich hat, die ich sehr bedenkenswert und auf wunderbare Weise biblisch finde
Nahczulesen ist das ganze unter folgendem Link:
http://www.ag.org/top/General_Superintendent/Statement_on_Revival.cfm
Grüße im Herrn
Marcus
Tuesday, September 9. 2008 at 12:29 (Link) (Reply)
was deine kritik an dem gebrauch des begriffs tradition in dem text der ezw angeht, so würde ich das mal nicht ganz so kritisch und so eng sehen. ich habe auch erst gestutzt,
aber ich glaube nicht, dass der autor damit lediglich leblose rituale und christliche bräuche meinte, sondern eher die überlieferung und die weitergabe des glaubens (und damit auch der geistlichen wahrheiten) und die entwicklung der gemeinde Gottes meinte. zumindest würde das besser zu dem kontext passen, in dem das wort hier verwendet wird, und außerdem würde es dem wort "tradition" in seiner ursprünglichen form eher gerecht werden (wenn du z. b. mal die definitionen in wikipedia oder meyers anschaust).
Wednesday, September 10. 2008 at 16:03 (Reply)
Schade ...
Thursday, September 11. 2008 at 14:42 (Link) (Reply)
Saturday, August 21. 2010 at 12:14 (Link) (Reply)