Ich schreibe ja derzeit an einer Hausarbeit über die Trivialisierung literarischer Science Fiction. Bei der Lektüre einiger Bücher zur Entwicklung der Science Fiction bin ich auf folgende interessante Aussage gestoßen:
Als eigene Gattung bildete sich die S. F. [...] erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts heraus, und zwar besonders mit den Romanen von H. G. Wells. Stark beeinflusst wurde der Aufstieg der S. F. dadurch, dass in dieser Zeit die Vorstellung von der Zukunft immer weniger durch das Konzept der christlichen Heilsgeschichte und immer stärker durch die Erwartung eines permanenten wissenschaftlichen und technischen Fortschritts sowie durch die Evolutionslehre geprägt wurde.
(Ulrich Broich: Science Fiction, S. 345)
Wednesday, September 24. 2008 at 14:18 (Reply)
Aus dieser Masche ist die deutsche Trivial-SF aber längst entwachsen... selbst die Heldenserie an sich (Perry Rhodan)
Thursday, September 25. 2008 at 10:12 (Reply)
Dass Superman und Batman jeweils in einer Stadt wirken, die quasi ein New York-Verschnitt ist, ist bestimmt auch kein Zufall (ist New York doch quasi die jüdischste Stadt in den USA überhaupt).
Friday, September 26. 2008 at 23:18 (Link) (Reply)
Monday, October 6. 2008 at 16:11 (Link) (Reply)
Wednesday, August 11. 2010 at 12:06 (Link) (Reply)
Tuesday, September 30. 2008 at 19:18 (Reply)
Mr. Wells, however, is not quite clear enough of the narrower scientific outlook to see that there are some things which actually ought not to be scientific. He is still slightly affected with the great scientific fallacy; I mean the habit of beginning not with the human soul, which is the first thing a man learns about, but with some such thing as protoplasm, which is about the last. The one defect in his splendid mental equipment is that he does not sufficiently allow for the stuff or material of men. In his new Utopia he says, for instance, that a chief point of the Utopia will be a disbelief in original sin. If he had begun with the human soul—that is, if he had begun on himself—he would have found original sin almost the first thing to be believed in. He would have found, to put the matter shortly, that a permanent possibility of selfishness arises from the mere fact of having a self, and not from any accidents of education or ill-treatment. And the weakness of all Utopias is this, that they take the greatest difficulty of man and assume it to be overcome, and then give an elaborate account of the overcoming of the smaller ones. They first assume that no man will want more than his share, and then are very ingenious in explaining whether his share will be delivered by motor-car or balloon.
Interessant ist übrigens die Parallele zur Enzyklika "Spe salvi" von Papst Benedikt XVI. und dessen Gedanken über Karl Marx (Punkt 21):
Die "Revolution" ist denn auch eingetreten, am radikalsten in Rußland. Aber mit ihrem Sieg wurde auch der grundlegende Irrtum von Marx sichtbar. Er hat zwar sehr präzise gezeigt, wie der Umsturz zu bewerkstelligen ist. Aber er hat uns nicht gesagt, wie es dann weitergehen soll. Er setzte einfach voraus, daß mit der Enteignung der herrschenden Klasse und mit dem Sturz der politischen Macht, mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel das neue Jerusalem da sein werde. (...) Daß er darüber nichts sagt, ist von seinem Ansatz her logisch. Sein Irrtum liegt tiefer. Er hat vergessen, daß der Mensch immer ein Mensch bleibt. Er hat den Menschen vergessen, und er hat seine Freiheit vergessen. Er hat vergessen, daß die Freiheit immer auch Freiheit zum Bösen bleibt. Er glaubte, wenn die Ökonomie in Ordnung sei, sei von selbst alles in Ordnung. Sein eigentlicher Irrtum ist der Materialismus: Der Mensch ist eben nicht nur Produkt der ökonomischen Zustände, und man kann ihn allein von außen her, durch das Schaffen günstiger ökonomischer Bedingungen, nicht heilen.
Saturday, October 4. 2008 at 22:42 (Link) (Reply)
> der Zukunft immer weniger durch das
> Konzept der christlichen Heilsgeschichte
Auf der einen Seite trifft das bestimmt zu. Trotzdem finde ich es interessant, das man bis zur heutigen SF und Fantasy nicht ohne ständige Anleihen bei der biblischen und christlichen Tradition auskommt ... von der 'Macht' der guten Sternenkrieger bis zu 'Zion' als letzter Hort der Freiheit in der 'Matrix'. Ob darin immer noch irgendwo eine klammheimliche, diffuse Ahnung und Sehnsucht steckt?
Monday, October 6. 2008 at 16:00 (Link) (Reply)