Der bereits sechs Tage alte taz-Text "
Evangelikale in Deutschland: Um Gottes Willen!" möchte wohl so eine Art Sittengemälde sein. Ist es in gewisser Hinsicht auch. Allerdings eher ein Sittengemälde der Evangelikalen, wie einige Medien sie bevorzugt gerne sehen wollen. Und beschränkt auf die immer gleichen Themen und Personen (freilich auf Personen, die sich selbst gerne als offizielle Vertreter und Stimme der deutschen Evangelikalen sehen). Das ist irgendwie schade, weil es natürlich Vorurteile schürt und zu fast automatischem Widerstand anregt, und dadurch die öffentliche und persönliche Kommunikation zwischen Evangelikalen und Nicht-Evangelikalen sehr erschwert.
Wenn dann aber daraus wieder geschlossen wird, dass es für bekennende Christen in Deutschland ungemütlicher wird (
idea), dann sollte man besser mal die Kirche im Dorf lassen und sich vielmehr darüber freuen, dass Spiritualität und die Auseinandersetzung damit in den Medien überhaupt wieder Beachtung findet. Und dass links-alternative Medien tendenziell kritischer berichten, dürfte inzwischen doch vollkommen klar sein. Wer das nicht akzeptieren will, kann immer noch die Welt oder die FAZ lesen, die deutlich freundlicher und offener über die Evangelikalen berichten. Abgesehen davon halte ich Gemütlichkeit für den christlichen Glauben als keinen erstrebenswerten Zustand.
Noch zwei weitere, ergänzende Bemerkungen möchte ich hinzufügen:
Die Zitate von Vertretern der Weltanschauungsbeauftragten der großen Kirchen (wie z. B. Reinhard Hempelmann von der
EZW), die gerne in solche Artikel eingefügt werden, haben natürlich auch ihre kritische Berechtigung. Aber die (meisten) dieser Herren sehen das Spektrum sehr wohl deutlich differenzierter (und haben aufschlussreiche Analysen dazu verfasst) als ein Zitat, das aus einem Kontext gerissen und an beliebiger Stelle eines taz-Artikels gesetzt wird.
Zu den evangelikalen "Vertretern" und "Lobbyisten": Das ist eine so dämliche Truppe, die versucht uns Evangelikale in Wort und Schrift in Öffentlichkeit, Medien und Politik zu vertreten, dass es einem doch schwer fällt sich da in brüderlicher Liebe zu mäßigen. Da bleibt einem nichts anderes übrig als die
Evangelische Allianz zu hinterfragen. Nicht, weil sie etwa ein Zeichen der Endzeit sein könnte (da kommt alte pietistische Schule durch), sondern weil sie einen sehr obskuren Vertretungsanspruch geltend macht, den es so eigentlich nicht geben kann.
Sunday, January 18. 2009 at 19:11 (Link) (Reply)
Vielleicht sollte man die taz nicht ernster nehmen als die meisten Leute in unserem Land. Was die 'Vertretung' der Evangelikalen angeht, finden wir vermutlich beide immer wieder Kritikpunkte. Allerdings ist mir die DEA da immer noch lieber als diese Schulverweigerer-Familie, die die taz da als Beispiel für 'die Evangelikalen' ausgegraben hat ...
Monday, January 19. 2009 at 12:12 (Reply)
mir sind beide lieber...
denn sie setzen wenigstens Akzente!
Wednesday, January 21. 2009 at 15:22 (Link) (Reply)